Projekt Giebel

Projekt Giebel

Im August 2020 wurde mit der Sanierung unseres Obergeschosses begonnen. Gleich zu Beginn haben wir mit den beauftragten Zimmerern die Installation von 6 festen Nistmöglichkeiten für Mauersegler im Nord-Giebel besprochen. Unser Haus ist ein alter Fachwerk-Kotten von 1827 und die Sanierung erfolgt unter Beibehaltung des Baustils alter westfälischer Ständerhäuser. Der Giebel oberhalb des ehemaligen Deelentors bekommt eine Verschalung aus Eichenholz, und die Giebelspitze ist – wie in Westfalen üblich – etwas nach vorne versetzt.

Hier ist der ideale Ort für Einfluglöcher von Mauerseglern. Instinktiv suchen die unterhalb von Vorsprüngen, Traufen, Dachrinnen und Absätzen nach kleinen Ritzen und Spalten, durch die sie in das Innere von Wänden oder Dächern gelangen können um ihre Nester anzulegen. Das Verhalten ist in ihren Genen verankert, seit dem sie über Jahrhunderte ihre ursprünglich nur in Felswänden angesiedelten Brutreviere auf menschliche Bauten ausgeweitet haben. Seit der Mensch damit begonnen hat, seine Häuser energetisch optimiert zu bauen bzw. zu sanieren und dabei jede Spalte schließt, haben es die Mauersegler nicht leicht bei der Suche nach neuen Nistmöglichkeiten.

Es muss nicht gleich eine feste Installation von Einfluglöchern sein – für den Anfang reicht auch das Aufhängen von Nistkästen. Davon gerne mehr als einen, weil Mauersegler Kolonievögel sind und ihre Bruten gerne in der Nähe von weiteren Paaren aufziehen. Wir möchten hier unser Projekt vorstellen, vielleicht holt sich der ein oder andere ein paar Ideen für sein eigenes Bau- oder Umbauprojekt 🙂

Planung

Um die Nistkästen später leicht inspizieren und ggf. auch Säubern zu können, wollten wir sie vom Dachboden aus zugänglich machen. Das hieß, dass sie sich entweder direkt im Giebel befinden, oder Laufgänge durch den Giebel für die Segler eingebaut werden mussten die in Nistkästen auf dem Dachboden führen. Nach einem Gespräch mit den Zimmerern entschieden wir uns für die zweite Variante, da sie aus energetischer Sicht günstiger ist und die Laufgänge über den Winter bis zur Ankunft der Selger im Frühling leicht mit isolierendem Schaumstoff gefüllt werden können. Das hat auch noch den positven Nebeneffekt, dass die Kästen vor der Ankuft der Mauersegler im Mai nicht von anderen Vögeln für eine Brut in Beschlag genommen werden können.

Der Giebel hat nach der Sanierung eine Stärke von etwas über 20 cm und ist gut gedämmt. Aus der Erfahrung von anderen Koloniebesitzern wussten wir, dass Mauersegler auch längere Tunnel problemlos bewältigen sofern sie hoch und breit genug sind. In unserem Fall eigneten sich dafür Flachkanäle aus Kunststoff, die für die Entlüftung von Dunstabzugshauben verwendet werden. Die haben eine Breite von 11 und eine Höhe von 5 cm, wenn sie innen zu glatt sind schafft ein eingelegtes schmales Brett in entsprechender Breite Abhilfe.

Die Einfluglöcher in den Eichenbrettern wurden mit einer Höhe von 3 und einer Breite von 6,5 cm geplant. Schon ein geringfügig höheres Loch lädt auch Spatzen und schlanke Stare dazu ein, einen Einflug zu versuchen und sich wohlmöglich anzusiedeln. Spatzen tragen dabei Unmengen von Nistmaterial ein, was es Mauerseglern schwer macht nach einer erfolgreichen Spatzenbrut ein eigenes Nest zu bauen. Bei Staren kommt erschwerend hinzu, dass es wahre Schmitzfinken sind und der Bereich unterhalb des Flugloches oft großräumig mit Kot verschmutzt wird.

Wichtig ist auch, dass das Einflugloch einige Zentimeter oberhalb des Bodens angebracht wird, denn so wird vermieden dass Kot von jungen Mauerseglern herausfällt. Die Eltern räumen die Ausscheidungen der Küken eigentlich weg und halten den Kasten sauber, bei zu tiefen Löchern kann aber doch mal etwas daneben gehen.

Umsetzung

Danke an dieser Stelle an die Zimmerer der Firma Herzog, die die gewünschten „Sondereinbauten“ perfekt und geduldig umgesetzt haben!

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